18.08.2017

Bester Bioladen 2017

Ein Artikel von Gudrun Ambros
Fotos: Cristina Naan
 

Für seine Sortimentsvielfalt hatte Biomammut in Böblingen schon im Vorjahr Gold geholt. In diesem Jahr kürten ihn die Schrot & Korn-Leser zum besten Bio-Supermarkt Deutschlands. Der Weg zum Gold führte – mit einem Abstecher – steil bergauf. 

Auf den ersten Blick wirkt das Angebot des Bio-Supermarkts am Leonardo-da-Vinci-Platz in Böblingen gar nicht so überwältigend groß. Alles lässt sich gut überblicken. Die Regale sind schulterhoch, die Gänge breit. Kein einziger Aufsteller hindert Einkäufer mit Kinder- oder Einkaufswagen am Durchlaufen durch den wohlgeordneten Laden. Was wo zu finden ist, lässt sich auf großen Schildern an der Wand und über den Regalen ablesen. Weil alles so klar geordnet ist, kann sich Biomammut-Inhaber Roland Harter sogar problemlos eine eher ungewöhnliche Sortierung in den Regalen leisten. „Auf Kundenwunsch“, sagt er, seien manche Waren nicht nach Herstellern, sondern alphabetisch einsortiert. Beispielsweise Cerealien, Tees oder Marmeladen.

Überschaubar ist der Laden. Aber nur, was die Ordnung angeht. Wer sich beim Durchgehen Zeit lässt, entdeckt etwa, dass dieser Biomammut das gesamte Sortiment der Beutelsbacher-Säfte vorhält, zehn Mineralwasser-Marken anbietet und acht Sorten Butter. Gelegentlich wird Harter von seinem Bodan-Außendienstler Dieter Römhild als „Magier des Sortiments“ tituliert. Biomammut in Böblingen präsentiert auf einer Fläche von 600 Quadratmetern 9.000 Artikel.

Mammut – der Name kommt nicht von ungefähr: Roland Harters Vision ist ein Bio-Supermarkt mit Riesen-Auswahl – die Kunden sollen an einem Ort alles finden, was sie benötigen, in Bio-Qualität. Der 44jährige war zunächst Manager im LEH; seit 2008 engagiert er sich in der Biobranche. Die erste Filiale eines Bio-Supermarkts, die er in Lauffen am Neckar eröffnete, lief gut. Daraufhin wollte er sich dran machen, seinen Traum von einem Bio-Warenhaus zu verwirklichen. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern stellte er in Heilbronn den nach seinen Worten damals „größten Bio-Supermarkt in Baden-Württemberg“ auf. Harter arbeitete mit 117 Direktlieferanten, richtete eine große Frischfischtheke ein, 300 Quadratmeter waren für Nonfood reserviert: Schuhe, Textilien, Babykleidung, Schreibwaren. Doch die Kunden nahmen das Nonfood- und Frischfisch-Angebot nicht an, ein Rückschlag, Harter steckte zurück. Doch seither geht es steil bergauf. Innerhalb von knapp zehn Jahren etablierte das Unternehmen in Baden-Württemberg sechs Filialen, die siebte soll im Herbst eröffnet werden.

Sortimentsbreite und –tiefe sind immer noch Harters Steckenpferd. Nach Feierabend schlendert er durch die leeren Gänge und tüftelt daran, wie er seine Filialen mit weiteren Produkten bestücken könnte. Doch was die Zulieferer angeht, hat Harter radikal umgedacht. Fast 100 Prozent seiner Waren bezieht er über den Bio-Großhandel Bodan. Sogar bei Brot und Brötchen setzt Harter lieber auf den Großhändler als auf Direktlieferung. Er und Dieter Römhild, Teamleitung Außendienst bei Bodan, sehen eine enge Zusammenarbeit zwischen Großhandel und Naturkostläden als den gangbaren Weg um zukünftig im Wettbewerb zu bestehen. „Gemeinsam könnte es gelingen, dass wir uns mit einem 100-Prozent Bio- und Verbandswaren-Sortiment profilieren“, glaubt Harter.

Wer Bio kaufen will, könnte auch wenige Meter über den Platz schlendern und sich bei Rewe umschauen. Roland Harter setzt ein Profilsortiment dagegen. Das bedeutet, wenn er Auberginen in Demeter-Qualität vom Bodensee bekommen kann, bietet er konsequent diese an und verzichtet auf EU-Qualität aus Spanien, auch wenn der Preis deutlich günstiger wäre. Geordert wird streng nach der Rangfolge Demeter, Anbauverbände, EU-Bio; regionaler Ware gibt Harter den Vorrang vor Produkten aus ganz Deutschland und aus dem Ausland.

Was die Böblinger Bio-Käufer mit Sicherheit auch überzeugt, ist das Frische-Angebot. An zwei Wänden reiht sich Kühlregal an Kühlregal. Empfindliches Obst und Gemüse präsentiert sich in einer Kühltheke und wird bei Bedarf von Hand mit Wasser besprüht. Käse, Antipasti, Wurst, Brot, Feingebäck und Kleingebäck bekommen die Kunden an einer mehrere Meter langen Bedientheke.

Werbeaktionen startete Roland Harter anfangs nur, wenn er eine neue Filiale eröffnete. Eine Zeitlang bezog er die Handzettel von Echt-Bio; heute produziert er seine eigenen. Das Logo: ein grünes oder weißes Mammut mit frechem Schopf.

Bei der Biofach als Bester in seiner Kategorie ausgezeichnet zu werden, ist ein schönes Etappenziel – diesmal wurden in dieser Kategorie zwei Sieger ausgezeichnet. Doch Roland Harter plant weiter. Seit einigen Jahren bietet er konsequent Arbeitsplätze für Berufsakademie-Studenten an, die ein Duales Studium absolvieren, also ihre praktische Ausbildung mit dem Studium kombinieren. Das erfordert einiges an Organisation, denn Arbeitseinsatz bei Biomammut und Studium wechseln sich blockweise ab. Aber dieser Einsatz könnte sich lohnen. Roland Harters Ziel: „Jeder meiner Studenten soll nach Abschluss seiner Ausbildung fähig sein, eine Biomammut-Filiale zu leiten.“

 

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